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Mallorca - kleines Paradies im Wandel /// Tag 1

TAG 1 - VON BERLIN NACH PORT D'ANDRATX

Vorwort

 

“Reisen bildet”! Dies verstand bereits Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), der zeitlebens stark von seinen Reisen geprägt wurde, und diese Eindrücke in seine Werke einfließen ließ. Wenn gleich Goethe sich wohl mit dem Massen-Tourismus auf des Deutschen liebstem Erholungs-Eiland kaum hätte anfreunden können, wäre auch heute der Einfluss des ganz eigenen Lebensgefühls auf der größten der Balearen-Inseln mit Sicherheit unverkennbar.

 

Wie in jedem Jahr, zählt Mallorca wohl zu den beliebtesten Reisezielen in der EU. Insbesondere “wir Deutschen” scheinen verrückt nach diesem kleinen Stück spanischen Lebensgefühls zu sein, das irgendwie doch ein Stück deutsche Heimat in sich trägt. Weshalb man in Deutschland oft vom 17. Bundesland spricht, wird auf der Insel schnell klar. Die komfortable Nähe nach Deutschland (Flugzeit Berlin Tegel - Palma de Mallorca: 2 ½ Stunden) erlaubt es schnell, einfach und vor allem günstig in eine andere Kultur abzutauchen. Mit dieser Kultur ist - Gott sei dank (!!!) - nicht jene Sangria und Bier vertilgende Pöbel-Manier mit stark ausgeprägtem Hang zur geistigen Selbstverstümmelung gemeint. Vielmehr ist es die Vielschichtigkeit in den Möglichkeiten, die Insel für sich zu entdecken und mit ihr das Leben der Mallorquiner. Die eben sehr persönlich und mit Sicherheit nicht sehr objektiv bewertete Gruppierung des Ballermann-Touristen, ist seit Jahren Teil des Tourismus der Insel. Freud und Leid liegen hier dicht beieinander. Es steht meiner Meinung nach jedoch jeder Person frei, sich diesem exzessiven “Urlaub” (von Erholung für Körper und Geist kann hier sicher nicht die Rede sein) hinzugeben, oder eben ganz eigene Wege zu suchen. Dies ist ohne Weiteres möglich und sollte ausgiebig von jenen verfolgt werden, denen es beim Reisen vorrangig um die eigene Bildung im weitesten Sinne geht. Wenden wir uns daher wieder dem eigentlichen Thema zu. Man möchte meinen Goethe selbst habe das Zepter in die Hand genommen und Mallorca zum perfekten Urlaubsziel und Zweitwohnsitz der Deutschen erklärt, hört man doch überwiegend die deutsche Sprache, akzentfrei und ungefragt selbst beim unscheinbaren Händler in den kleinen verträumten Inseldörfern. Kulturell gesehen, verwässert diese Tatsache zum Einen natürlich die Vorstellung über das urtümliche Spanien, zum Anderen ist gerade diese Grund für ein unermessliches Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden auf der Insel. Der deutsche Tourist fühlt sich prompt willkommen und angekommen. Tatsächlich ist er auch sehr willkommen und sichert den Mallorquinern zu großen Teilen ein angemessenes Einkommen. Viele Deutsche haben sich auf der Insel niedergelassen und untermalen mehr und mehr die Wahrnehmung der Insel als deutsche Kolonie. So ganz kann man sich dem heute nicht mehr entziehen, wer dabei jedoch Bedenken hegt, Ihm ginge bei einem Urlaub auf Mallorca das spanische Lebensgefühl abhanden, sei beruhigt. Es gibt nach wie vor zahlreiche Möglichkeiten das reale Mallorca zu erleben. Dabei möchte ich mit diesem Blog ein Stück weit helfen und erhoffe mir ebenfalls von meinen Lesern mehr über Ihre eigenen Erfahrungen zu lesen. 


Zu Beginn des ersten Reiseberichtes möchte ich ganz kurz etwas zu den Reisenden erzählen. Da sich die Gestaltung einer Reise, deren Ziele und Rahmenbedingungen stets nach den Reisenden richten sollte, ist es meiner Meinung nach wichtig für Sie zu erfahren, wer wir überhaupt sind und was uns am Reisen begeistert. Gleich zu Beginn kann ich es dem geneigten und oben bereits erwähnten “Ballermann-6-All-Alk-Inklusive-Touristen” ersparen weiter zu lesen, da Sie tendentiell Gefahr laufen ihre Zeit zu vergeuden. Vielleicht erreiche ich aber auch das Unvorstellbare, diesen Charakter zur Neugestaltung der nächsten Mallorca-Reise zu bewegen. Es würde mich freuen ;)

 

Ich möchte nicht behaupten, dass meine Partnerin und ich die erfahrensten Reisenden sind, wir sind jedoch sehr bemüht darum, viel von unseren Erlebnissen mitzunehmen und festzuhalten. Als gebürtige Vietnamesin ist meine langjährige Partnerin Hang Nga (27) seit nun mehr als 15 Jahre Tourist mit festem Aufenthalt in Deutschland ;) . In der gemeinsamen Zeit konnten wir bereits viele längere und kürzere Reisen gemeinsam erleben, jedoch bin ich erst jetzt auf die Idee gekommen, diese auch für die Nachwelt festzuhalten und mich schriftlich mit ihnen zu befassen. Ich bitte daher hier und da auf unsere noch vorhandene jugendliche Naivität Rücksicht zu nehmen. Hang Nga ist selbst für ihr Alter noch sehr frisch und jung geblieben, fast kindhaft neugierig kann man sagen - genau das liebe ich so an ihr. Sie ergänzt mich mit ihrer positiven Sicht der Dinge oftmals in meiner typisch deutschen, kühl kalkulierenden Art und macht aus mir einen offenen, aufgeschlossenen Menschen. Als PTA (pharmazeutisch-technische Assistentin) ist ihr die Natur sehr nahe, kennt sie sich doch sehr gut mit allen möglichen Pflanzenarten aus. Sie vermag es, einem doch hier und da interessante Hintergrundinformationen zur umgebenden Natur zu geben, was mich persönlich dazu veranlasst auch unscheinbarsten Dingen am Wegesrand Aufmerksamkeit zu zollen. Im Urlaub sind wir stets ein gutes Team und benötigen nur wenig zum Glücklichsein. Luxus und Komfort auf Reisen hat für uns wenig mit dem Budget zu tun. Erliegt man nicht all zu sehr der kapitalistischen Oberflächlichkeit, ist es auch für Studenten oder jungen Berufseinsteigern mit wenig Geld wie uns, kein Ding der Unmöglichkeit ein Stück vom Paradies zu erleben. Zu meiner Person möchte ich nicht viel erzählen, ich denke, dass Sie sich an Hand dessen, was ich hier niederschreibe, bereits ein gutes Bild von meinem Wesen machen können. Mein Name ist Micha (32), geboren und aufgewachsen in Magdeburg / D und stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen, egal ob privater oder beruflicher Natur. Man kann mich in der Partnerschaft als den kreativen Kopf bezeichnen. Als Designer befasse ich mich sehr allumfassend mit der Welt. Egal ob kleines Haushaltsprodukt, schwere Industriemaschinen oder auch Mode- und Lifestyleobjekte, einfach alles übt einen gewissen Reiz auf mich aus. Daher gehe ich stets mit offenen Augen durch die Welt, insbesondere auf Reisen in Orten an denen ich zuvor noch nie war. Hieraus beziehe ich viel Inspiration für meinen Arbeitsalltag und reflektiere meine Reiseerfahrungen nicht selten in neue Produktformen. So viel zu uns als “Reiseberichterstatter”. Wie ich mich selbst kenne und nun anhand der vielen Zeilen sehe, hatte ich mal wieder keine Zeit mich kurz zu fassen. Bitte sehen Sie mir dieses nach und freuen sich nun auf die ersten Schritte auf spanischem Boden.

Von Süd-Osten nach Port D’Andratx

 

Wie in den Jahren zuvor legten wir unseren geplanten Urlaub in die Frühlingszeit. In den Monaten April, Mai und Juni lassen sich Städtereisen und Kultururlaube meiner Meinung nach besten planen und umsetzen. Da wir beide wenig Interesse daran haben, den kompletten Urlaub am Strand liegend zu verbringen, sind wir auch mit angenehmen Temperaturen unter 30°C durchaus zufrieden. Ein weiterer Vorteil der frühen Reise liegt in der geringen Auslastung der Hotels und im speziellen Falle Mallorca’s, auch der Insel an sich. Ich persönlich liebe es, Orte komplett für mich allein zu erleben, bzw. allein mit meiner Partnerin. Dies ist tatsächlich möglich, auch auf Mallorca. Die Erfahrung nach meinem bis dato 3ten Aufenthalt auf der Insel, bestätigt mir, dass Reisende auf der Suche nach Erholung, Ruhe und Kultur die Hauptsaison bestenfalls meiden. Je früher man auf der Insel ist, desto besser. Bereits im April ist das Wetter auf den Balearen oftmals deutlich angenehmer und sonniger als in der Heimat. Für das Jahr 2016 prognostizierte die Tourismusbranche einen überdurchschnittlichen Anstieg der Besucherzahlen während der Haupt- und Nebensaison auf Mallorca, was ich durchaus bestätigen kann. Sei es die Angst vor Reisen in die arabischen Länder bei der gegenwärtigen politischen Spannung, oder das (verständliche) Ausblendenwollen des Elends, in stark vom Flüchtlingsstrom der letzten Monate gezeichneten Balkanstaaten, Mallorca ist beliebt wie nie. Mit Wohlwollen beobachte ich auch die aktuellen Bemühungen des Inselstaates um die Stärkung des Kultururlaubes und dem Rückbau der schandhaften Bettenburgen in den ehemals malerischen Buchten. Da Hang Nga, ganz im Gegensatz zu mir, bis zu diesem Urlaub Mallorca lediglich vom Hören-Sagen kannte, wollte ich Ihr möglichst viel von dem zeigen, was mich schon immer an Mallorca faszinierte. Für den Einstieg plante ich daher einen halben Tag im Süd-Osten der Insel ein, da wir hier, auf Grund der knappen Zeit keine Chance hatten viel zu besichtigen. Dies liegt vor allem daran, dass der Norden, sowie die Westküste meiner Meinung nach die meisten Sehenswürdigkeiten für einen Kurz-Tripp parat halten. Gerade gelandet mussten wir uns kurz im Flughafen von Palma orientieren. Kein Vergleich zum Flughafen Tegel in Berlin, der ja doch sehr übersichtlich und klein gehalten ist. Hier zeigt sich bereits ein wichtiges und gut funktionierendes Zahnrad in der Tourismus-Maschinerie Mallorcas. Man kann nur erahnen, wie viele Touristen hier hinein- und wieder heraus geschleust werden. Bis zu 14 Millionen Touristen verzeichnet die Insel jährlich!!! Doch in der sehr frühen Pfingstzeit spürt man glücklicherweise nur wenig von diesen schier unbegreifbaren Massen. Froh heil und sicher gelandet zu sein, begeben wir uns mit unserem Gepäck direkt zum Mietwagen-Service. Vorausschauend hatte ich ein kleines, praktisches Vehikel bereits einen Monat zuvor von Deutschland aus reserviert, welches nach einigen etwas nervenaufreibenden Minuten (das schnelle und organisierte Arbeiten wurde offenbar nicht auf Mallorca erfunden) zur Abholung bereit stand. Wer sich auf Mallorca frei und fernab von großen Touristenströmen bewegen möchte, ist mit einem Mietwagen, abzuholen unmittelbar am Flughafenterminal, bestens beraten. Die Mietpreise liegen im Schnitt bei 10(!!!) Euro am Tag. Unschlagbar und absolut realistisch! Für dieses Geld bekommt man bereits einen guten Kleinwagen, der seinen Zweck vielerorts besser erfüllt als manch unübersichtlicher Premium-PKW. Insbesondere bei der Parkplatzsuche in Palma oder der Serpentinen-Strecke von Port de Valldemossa (MALLORCA 2016 - Pt.4/4 - der 4. Tag) erwiesen sich der kurze Radstand und die kurzen Überhänge vom Wagen als durchaus bessere Lösung. Das Navi auf Süd-Osten gepolt konnte unser Urlaub nun so richtig beginnen. Sie werden nicht erraten wo wir trotz aller Vorfreude auf die spanische Kultur als aller erstes einkehrten! Es war das so bekannte Schild eines größten deutschen Discounter-Märkte, welches mich zum spontanen innehalten bewegte. Ungewiss dem Erreichen unserer Tagesziele entschieden wir uns dafür, noch einmal typisch deutsch für die ersten Vorräte zu sorgen. Schnell stellten wir fest, dass ein LIDL auf Mallorca nur wenig mit dem in Deutschland gemein hat. Eine derart umfangreiche Auswahl an frischem Obst, Gemüse und sogar fangfrischen Meeresfrüchten bzw. -tieren ließ uns doch über die eigenen Kaufgewohnheiten in Deutschland nachgrübeln. Angebot und Nachfrage bestimmt das Sortiment und hier war klar zu erkennen, dass der Mallorquiner weiß, sich gesund zu ernähren. Die Fahrt führte uns nun recht schnell zu unserem ersten geplanten Ziel. Wir passierten Santanyi, eine der größeren Gemeinden der Insel, welche insbesondere auf Grund des wunderschönen Wochenmarktes bei mir aus der Vergangenheit in Erinnerung geblieben war. Da jedoch gerade kein Markt war, entschlossen wir uns weiterzuziehen um in einem späteren Urlaub auf Mallorca ein noch unbekanntes Ziel in Santanyi zu finden. Kurz hinter der Ortschaft führt uns die Straße weiter ans Meer. Bereits von Weitem öffneten sich ein aufregender Panoramablick über die vor uns liegende Bucht und das weite Mittelmeer.


Nach einem kurzen Rundgang entlang der nah am Wasser gebauten Einwohnerhäuschen nebst zugehörigen Boots-Garagen, kehrten wir in einem spärlich besuchten Restaurant mit traumhaften Blick über die Bucht ein. Das Mallorca hier noch Spanien sein darf, freute mich persönlich sehr. Nur wenige, dafür wohl sehr hochpreisige Hotels, fügen sich harmonisch in die von Bergen, kleinen Fischerhütten und dem vielen Grün der Olivenbäume dominierten Umgebung ein. Zudem schien man hier auf eine vom aussterben bedrohte Art des echten mallorquinischen Gastronomen zu treffen. Nur selten findet man sich auf der Insel Personen des öffentlichen Lebens gegenüber, die nicht wie selbstverständlich der deutschen Sprache mächtig sind. Kein Vorwurf meinerseits. Als recht unbeholfen auf dem Gebiet der Fremdsprachen geltend - abgesehen vom Englischen - hege ich größten Respekt für jeden Menschen der sich der deutschen Sprache als Fremdsprache stellt. Da die Karte hingegen fleißig in 4 verschiedenen Sprachen übersetzt und vorliegend war, verkomplizierte die Sprachbarriere den Bestellprozess nur unwesentlich. Gott schenkte uns in seiner Tätigkeit als Produktgestalter Hände und Füße, mit denen man sich im Zweifelsfall überall auf der Welt verständlich zu machen vermag. Den Ausblick, sowie den Moment von Ruhe und Frieden während unser Mittagsmenü in der Küche kredenzt wurde, nutzte ich erneut für eine schnelle Handzeichnung. Zu Beginn der Reise, setzte ich mir das Ziel, an jeder Tagesetappe eine schnelle Handskizze anzufertigen. Die Kamera blieb also jenen Moment in ihrer Tasche, um Skizzenblock, Stift und Augenmaß Platz zu machen. Ein etwas anderer Blickwinkel, eine Abbildung dessen was für mich in der Umgebung von Bedeutung war, um schlussendlich ein Bild zu behalten, dass wohl kein anderer Tourist mit seiner Kamera hätte einfangen können.


Nach der üppigen Speise vertraten wir uns noch kurz die Beine und machten uns wieder auf den Rückweg zum Mietwagen.

 

Kaum im Fahrzeug angekommen und das Navi Richtung Palma justiert, vielen die Augen meiner Liebsten schon zu. Die Anreise und der volle Magen zollten ihren Tribut. Ich müsste lügen, würde ich behaupten, dass ich mir in diesem Moment nicht auch eine Hängematte herbei sehnte. Die arg frühe Abfahrt um 2 Uhr Nachts in Magdeburg, um pünktlich um 6 Uhr mit dem Flieger vom Flughafen Berlin Tegel abzuheben, zeigte nun deutliche Spuren. Während Hang Nga die ersten schönen Dörfchen entlang der Küste träumend hinter sich ließ, hielt mich die Faszination für die Umgebung immer auf Trab. An Ermüdung war meinerseits nun nicht mehr zu denken, passierten wir doch einen interessanten Ort nach dem nächsten. Einer Eingebung folgend verließ ich die Hauptstraße und versuchte mein Glück für einen kleinen Zwischenstopp erneut Richtung Meer zu finden. So statteten wir einem kleinen, beim hindurchfahren wenig einladenden Ort namens “Colónia De Sant Jordi”. Der Hauptstraße des Ortes folgend entdeckte ich nicht viel Sehenswertes, scheinbar eine durchschnittliche mittelgroße Stadt ohne jegliche Bedeutung. Weit gefehlt!

 

Meine Intuition ließ mich nicht im Stich. Was ich auf wenigen Metern zu Fuß, abweichend der Straße erkannte, offenbarte mir, dass es sich hier um weit mehr als um ein langweiliges Nest handelt. Colónia de Sant Jordi ist ein ehemaliger Fischerort und gehört zur Gemeinde Ses Salines, die in der südöstlichen Ecke Mallorcas zwischen Santanyí und Campos liegt und ihren Namen den Jahrtausend alten Salinen verdankt, die schon von den Römern genutzt wurden.Wie zur Zeit der Phönizier um 600 v. Chr. wird aus den rosafarbenen Lagunen der Salzgärten bis heute das weiße Gold gewonnen. Die Salinas de Llevant reichen bis weit ins Hinterland. Die schmalen, scheinbar nicht enden wollenden Kanäle bilden ein imposantes Panorama. Eingerahmt in salzresistente Pflanzen, den Halophyten, entstand eine einzigartige Landschaftsarchitektur, in der mehr als 150 Vogelarten leben. Ein Teil der Gemeinde Ses Salines wurde von der Balearenregierung zu Naturschutzgebiet von besonderem landschaftlichen Interesse erklärt.

 

Ich hoffe Sie mit diesen Informationen nicht all zu sehr zu langweilen, ich finde es jedoch immer sehr wichtig, sich auch ein wenig mit der Geschichte der Umgebung zu befassen. Ich verspreche mich diesbezüglich weitestgehend zurückzuhalten.


Ankunft in Port D’Andratx

 

Zurück im PKW verbrachte meine Liebste die Zeit weiterhin tief schlafend. Man muss jedoch Verständnis zeigen, ist nunmal nicht jeder Mensch mit 3 Stunden Schlaf in der Nacht zuvor ausreichend energiegeladen. Ich verspürte noch keine Ermüdungserscheinungen und setzte unsere besinnliche Überland-Tour fort. Die Uhrzeiger standen mittlerweile auf 16 Uhr. Es brannte mir nun doch so langsam auf den Nägeln, was uns an unserem Aufenthaltsort in Port D’Andratx, weit im Süd-Westen der Insel, erwartete. So hielten wir Kurs auf unser Ziel, streiften dabei kurz die imposante Hauptstadt, in dem wir der Hafenstraße entlang der Altstadt folgten, vorbei an “La Seu” - der Kathedrale Palmas - und zahlreichen Luxus-Yachten im Hafen. Dies sollte heute aber nur als Appetitanreger ausreichen, haben wir doch einen ganzen Tag für den Besuch der Hauptstadt eingeplant. Der Autobahn folgend veränderte sich die Landschaft zusehends von einer recht flachen Ebene zu einer höher gelegenen Berglandschaft. Die ersten Ausläufer der “Serra de Tramuntana“, dem dominierenden Gebirgszug entlang der Nord-West-Küste, ließen Hoffnung auf spannende Ausblicke aufkeimen. Unser Ziel - Port D’Andratx - lag tatsächlich inmitten dieser Hügellandschaft und ließ auch die noch schläfrige Hang Nga endlich erwachen. Vorfreude machte sich breit, angesichts einer offenbar sehr wohlhabenden Einwohnerschaft. Der Ort zeigt sich sehr gepflegt, dabei doch übersichtlich und einladend. Port D’Andratx gilt als der schönste Yachthafen der Insel. Zahlreiche Segelschiffe und Motoryachten kann man hier bestaunen und manchmal auch den einen oder anderen Promi erspähen. Der Hafenort bietet eine Vielzahl an Restaurants und Bars, die sich wie Perlen auf einer Schnur entlang der Südseite der Bucht aneinanderreihen.

 

Da das Navi auf die Adresse unseres Hotels eingestellt war, wurden wir sicher und im Schritttempo durch die Flaniermeile des Ortes gelotst, um endlich die wilden Straßen bergan Richtung Ziel zu erklimmen. Bereits bei der Buchung war mir klar, dass dieser Aufenthalt bereits ein kleines Abenteuer für sich darstellt. Hoch oben über der Bucht von Port D’Andratx thronend wartete ein einzigartiges Domizil. Unser kleiner Hyundai hatte arge Probleme die steilen Straßen zu erklimmen, nur im 1. Gang vermag er es den letzten Anstieg zu überwinden. Mit etwas Übung und mehr Schwung wurde diese Fahrt jedoch täglich einfacher. Was erwartete uns als nun? Bereits von Deutschland aus telefonierten Betreiber, Besitzer und Schöpfer des Geländes, Dieter Liedtke und meine Wenigkeit angeregt über unsere Wesen und dem anstehenden Aufenthalt. Das Anwesen setzt sich aus Hotel, Ferienwohnungen, Museum, Kunst-Seminarräumen und einem Restaurant zusammen.


An dem 70-jährigen Essener scheiden sich die Geister. Fakt ist: Dieter Liedtke hat schon vor Jahren sein eigenes Museum geschaffen, mitten auf den schroffen Felsen auf der Halbinsel La Mola bei Port d'Andratx. Aus der Vogelperspektive erkennt man, dass es die Form eines Gehirns hat. Nun besuchen wir diese traumhafte Schöpfung des “Erfinder-Künstlers” und dürfen es für 4 Nächte unser Heim nennen. Da die Erfahrung dermaßen ausgiebig und intensiv war, möchte ich zu diesem Thema einen einzelnen Artikel schreiben, den ich selbstverständlich auch hier veröffentlichen werde. Mehr dazu also im Beitrag “Mehr Kreative, weniger Probleme - Museum Liedtke”.

 

Nach dem wir unsere Unterkunft für die nächsten Tage inklusive Besitzer kennengelernt hatten, verschlug uns die Umtriebigkeit sowie aufkommender Hunger auf ein kleines Dinner, zurück in den Stadtkern. Ein Parkplatz war auch hier schnell gefunden, so dass wir nur wenige Schritte zur Hafenpromenade zu laufen hatten. Auf dem Weg fiel mir auf, dass sich in der Ortschaft auffällig viele Geschäfte rund um das Thema Inneneinrichtung etabliert hatten. Für mich als Designer ein wahres Schlaraffenland der schönen Dinge. An einer der nächsten Kreuzungen sprang mir jedoch noch ein anderes, interessanteres Geschäft in die Augen. Klein aber fein, zeigt sich das Juweliergeschäft “Pasión” gleich zu Beginn der Restaurant- und Barmeile. Freunde und Familie wissen um meine Tätigkeit als Produktdesigner für die Magdeburger Schmuckmanufaktur “Le Marchant” und können einen Besuch in jenem Laden auf der Insel nachvollziehen. Der Schmuck, insbesondere schwere, martialische Modelle der “Black Baron” Kollektion, findet längst nicht mehr allein in Deutschland seine Abnehmer.  Nach einem erfreulichen Zusammentreffen auf Deutschlands größter Händlermesse für Uhren und Schmuck, zählt das kleine Geschäft im Hafen von Port D’Andratx bereits seit 2015 zu jenen Händlern mit offizieller Verkaufslizenz für Black Baron Produkte. Einen kleinen Besuch zur Stippvisite konnte ich mir einfach nicht verkneifen. Nach einigen Minuten interessanter Fachgespräche verließen wir das Geschäft wieder, beruhigt über die schöne Platzierung der eigenen Silberkreationen und mit einigen guten Tipps zum Aufenthalt und der Kulinarik im Ort. Zielstrebig steuerten wir fußläufig auf den empfohlenen Hot-Spot zu, an dem wir kühlende Getränke und bekömmliche Tappas würde zu uns nehmen können. Folgt man der Hafenstraße entlang erster, zu dieser Saisonzeit noch etwas verweist wirkender Restaurants, ist es schier unmöglich den offensichtlich beliebtesten Platz der Altstadt zu verpassen. Mit einem Mal findet man sich in mitten quirliger aber friedlich romantisch wirkender Abendlokale wieder. Zentral wächst ein sehr schön illuminierter Olivenbaum empor, bietet den Menschen darunter viel Schatten um das Abendmahl aus einem der zahlreichen angrenzenden Lokalen zu genießen. Ein schönes Bild, wie man es sich kaum auszumalen vermag. Das “Romeo”, welches uns zuvor empfohlen wurde, lag inmitten dieser Szene und bot uns trotz zahlreicher Gäste einen perfekten Panoramablick ausgehend von der hauseigenen Dachterasse.


Schnell wurden Drinks und frische Tappas beim (wieder mal) urdeutschen Kellner bestellt, um in kuscheliger Atmosphäre die letzten Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne zu genießen. Ich ließ es mir nicht nehmen, auch dies kurzerhand zeichnerisch festzuhalten. Ein wunderschöner Moment, den wir bis zu letzt auskosteten. Nach getaner “Arbeit” suchten wir noch schnell den kleinen Supermarkt ums Eck auf, um uns weitere Köstlichkeiten und eine gute Flasche spanischen Rotweins mit auf unser Zimmer zu nehmen. Kaum ein Glas auf der Hotelterasse die Kehle hinuntergegossen, überkam uns die Müdigkeit, sodass wir vollstens erledigt, aber auch zufrieden, wie Steine in die Koje und zugleich in einen tiefen Schlaf fielen.

Tag 1 war damit gemeistert.

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